Hefen regen das Wachstum von Hummelvölkern an

Hefen regen das Wachstum von Hummelvölkern an

Wie die meisten Bestäuber sammelt die Erdhummel Pollen und Nektar, um das eigene Volk und die Brut zu ernähren. Doch wie steht es dabei mit der Hygiene? Tragen die Hummeln immer reinsten Nektar in das Volk ein? Nein, denn aus zahlreichen Untersuchungen weiß man, dass sie sich zum Beispiel mit allerhand Krankheitserregern auf den Blüten infizieren können. Doch neben den eindeutig schädlichen Erregern gibt es eine weitere Gruppe von Lebewesen, die sich auf den Blumen und im Nektar tummeln.

Hefepilze!

Im Gegensatz zu Krankheitserregern weiß man allerdings bis heute wenig über die Auswirkungen des Hefecocktails auf die Hummeln. Doch jetzt hat ein Forschungsteam von der katholischen Universität Leuven etwas Licht ins Dunkel gebracht.

Was weiß man über Hefen im Nektar?

Schon länger weiß man, dass der Nektar von Blumen zu einem Großteil mit Hefepilzen durchsetzt ist. Dabei handelt es sich nicht um einen einzelnen Hefestamm, sondern um verschiedenste Hefepilzarten, die in unterschiedlichen Kombinationen und Konzentrationen den Nektar bevölkern. Sie ernähren sich von ihm, was zu Veränderungen in der Zuckerstruktur und den Aminosäuren im Nektar führt. Doch welche Konsequenzen das für die Hummeln hat, war nicht klar. Dies wollten die Forscher rund um Maria I. Pozo ändern.

Haben die Hefen einen Einfluss auf Hummeln?

Um nun herauszufinden, ob die Hefen im Nektar überhaupt einen Einfluss auf die Hummeln haben und wenn ja, welchen, führten die Forscher folgende Experimente durch. Zunächst setzten sie fünf verschiedene Hefestämme dem Nektar hinzu und analysierten, wie sich die chemische Zusammensetzung des Nektars veränderte. In einem weiteren Experiment untersuchten sie den Einfluss dieses Nektars auf Erdhummeln (Bombus terrestris). Hierbei beobachteten sie unter anderem folgende Parameter:

  • Die Entwicklung der Kolonie.
  • Die Größe.
  • Das Gewicht.
  • Die Resistenz des Volkes gegen Krankheiten.

Bevorzugen Hummeln Nektar mit Hefen?

In einer dritten Reihe von Experimenten wollten die Forscher herausfinden, ob die Hummeln eine Vorliebe oder Abneigung gegen Nektar mit Hefen haben. Dazu hatten sie extra künstliche Blumenfelder angelegt, bei denen eine Hälfte mit einem Gemisch aus Hefen und Zuckerlösung bestückt wurde. Die andere Hälfte wurde mit reiner Zuckerlösung versehen. Über Videoanalysen konnten die Forscher dann messen, wie häufig und wie lange bestimmte Blüten angeflogen wurden.

Was waren die Ergebnisse?

Es zeigte sich deutlich, dass die Hefen einen Einfluss auf die Zusammensetzung des Nektars hatten. Dies war auch so von den Forschern erwartet worden. Überraschenderweise hatte dies jedoch keinen Einfluss auf das Sammel- und Fressverhalten der Hummeln. Obwohl inhaltlich unterschiedlicher Nektar gesammelt wurde, verhielten sich hier beide Gruppen gleich.

Anders sah es allerdings bei der Volksentwicklung aus. Einige Hefen beeinflussten die Größe des Hummelvolkes positiv. Diese Völker wuchsen stärker, es starben weniger Larven und es wurden insgesamt mehr Arbeiterhummeln produziert.

Weitere Schlussfolgerungen

Die Forscher kamen durch die Experimente insgesamt zu dem Schluss, dass Nektar mit Hefen einen positiven Einfluss auf die Vitalität der Hummeln hat. Zusätzlich postulierten sie, dass durch den Eintrag von Fungiziden in die Landwirtschaft massiv diese nützlichen Hefen abgetötet werden. Dadurch könnten diese Fungizide einen indirekten negativen Einfluss auf die Gesundheit der Hummeln haben. Um diese Zusammenhänge jedoch genauer zu verstehen, ist noch einiges an Forschungsarbeit notwendig.

Das zahlreiche Pestizide schädlich für Bienen sind ist allgemen bekannt. Der Verdacht scheint sich aber langsam zu erhärten, dass auch die bisher weniger im Fokus stehenden Fungizide indirekt einen negativen Einfluss auf die Bestäuber wie Bienen und Hummeln haben.

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