Einfache Bildung eines Ablegers (Teil 1)

Einfache Bildung eines Ablegers (Teil 1)

Im Frühsommer erreichen die Bienenvölker ihre maximale Volksstärke. Es gibt noch Nahrung im Überfluss und die Völker würden, wenn man sie denn ließe, schwärmen. Das ist die ideale Zeit für die kontrollierte Vermehrung der Völker.

Dabei gibt es zahlreiche Strategien, aus denen der Imker auswählen kann. So kann man:

  • Schwärme einfangen,
  • Königinnen züchten,
  • oder verschiedenartigste Ableger bilden,

um nur ein paar Beispiele zu nennen. Nach und nach werden zu diesen Themen auch Artikel hier auf dem Blog erscheinen,  beginnen möchte ich aber aus folgenden Gründen mit der Völkervermehrung durch den 3 Waben Ableger.

Vorteile des 3 Waben Ablegers

Die Methode des 3 Waben Ablegers ist insbesondere für Anfänger geeignet. So ist die Erstellung eines 3 Waben Ablegers im Gegensatz zur Königinnenzucht, relativ einfach. Darüber hinaus ist der Vorgang sehr gut steuerbar. Du hast sozusagen alles selber in der Hand. Beim Einfangen von Schwärmen bist du dagegen auf Glück angewiesen, dass du überhaupt einen Schwarm findest oder dir einer gemeldet wird. Außerdem brauchst du für die Ablegerbildung nur Ressourcen, die du als Neuimker mit 2 Völkern bereits besitzt. Lediglich nach einem zweiten (temporären) Stellplatz für den Ableger musst du dich umsehen.

Welche Materialien brauche ich?

Wie bereits erwähnt reicht dein Imkerequipment dazu völlig aus. Im Detail brauchst du für den 3 Waben Ableger:

  • Bienenvolk
  • Zarge
  • Boden
  • Abdeckfolie
  • Deckel
  • Smoker/Stockmeissel/Imkerjacke
  • 2 Reiszwecken oder kleine Nägel
  • Schaumstoff zum verstopfen des Flugloches
  • Packriemen

Das war’s. Du siehst, bis auf die Reiszwecken/Nägel, werden nur klassische Gegenstände der Imkergrundausrüstung benötigt.

3 Waben Ableger: Die Arbeitsschritte

Du hast dein Arbeitsmaterial zusammen? Dann kann es ja losgehen

Schritt 1: Vorbereitung Standort

Als erstes suchst du dir einen geeigneten Standort. Dieser sollte mindestens 2, besser 3 Kilometer von deinem jetzigen Standort entfernt sein. Dann kannst du sicher sein, das deine Bienen bei dem Ableger bleiben und nicht einfach wieder zurück zu ihrem alten Standort fliegen. Diesen Standort richtest du dann so ein, dass du am Tag der Ablegererstellung deinen Ableger dort gut abladen kannst. Es sollte also der Zugang geregelt sein. Wenn du den Ableger zum Beispiel bei Bekannten im Garten platzieren willst, sollten die Bekannten auch wissen, wann du vorbei kommst. Nichts ist ärgerlicher als mit einem frischen Ableger im Kofferraum vor verschlossenen Türen zu stehen.

Schritt 2: Vorbereitung Material

Du hast die Standortfrage geklärt? Prima, dann geht es mit den Vorbereitung der Behausung weiter. Du legst neben dein Spendervolk den offenen Spanngurt auf den Boden und stellst eine Leerzarge mit Gitterboden darauf ab. Anschließend verstopfst du gründlich das Flugloch. Ein Rähmchen mit Mittelwand kannst du schon einmal in die Nähe des Randes reinhängen. Den Zargendeckel legst du daneben und gibst die Reiszwecken hinein. So liegt alles gut griffbereit.

Schritt 3: Futterwabe

Du schlüpfst in deine Imkerkluft, entzündest den Smoker und öffnest das Spendervolk. Nun suchst du dir eine volle Futterwabe mit Bienen, entnimmst diese und setzt diese innen neben das Rähmchen mit der Mittelwand in die Leerzarge . Dabei ist es wichtig, dass die Königin sich nicht auf der Wabe befindet.

Schritt 4: Brutwabe

Nun kommt der wichtigste Schritt. Du suchst dir eine Brutwabe mit flächendeckend verdeckelter Brut und jüngster Brut (Eier)mitsamt ansitzenden Bienen. Aus der jüngsten Brut wird sich im Ableger später die Königin entwickeln. Es sollten sich also wirklich frisch gelegte Eier befinden.  Hast du so eine Brutwabe gefunden, entnimmst du diese und überprüfst gründlich, dass sich die Königin nicht darauf befindet. Dann platzierst du die Wabe direkt an die Wand der Zarge.

Von links nach rechts: Brutwabe, Mittelwand, Futterwabe.

Schritt 5: Transportvorbereitung

Du hast also nun folgende Reihenfolge in deiner Ablegerzarge:

  • Brutwabe mit jüngster und verdeckelter Brut direkt an der Zargenwand
  • Rähmchen mit Mittelwand zwischen Brutwabe und
  • Futterwabe als Abschluss des Ablegers.

Der Rest besteht aus freiem Zargenraum.

Jetzt schiebst du die 3 Rähmchen zusammen an die Zargenwand und fixierst das Ganze mit dem beiden Reiszwecken. Das ist wichtig, da die einzelnen Waben sonst beim Transport verrutschen können. Anders als beim Ablegerkasten, hast du in deiner Zarge ja noch jede Menge Platz. Also alles gut fixieren. Deine Bienen sollen schließlich nicht Seekrank auf der Reise werden. Anschließend schließt du mit dem Deckel und der Abdeckfolie die Zarge und ziehst den Spanngurt fest. Damit ist der Ableger fertig und für den Transport durch die Reiszwecken und den Spanngurt gesichert. 

Schritt 6: Transport

Den Ableger kannst du nun bequem im Kofferraum zu deinem neuen Standort transportieren. Dies solltest du auch umgehend machen, da es den Bienen bei verschlossenem Flugloch im Auto schnell warm wird. Die drei Kilometer zum neuen Standort, schaffen sie sicher. Trotzdem solltest du sie ruhig aber zügig transportieren. Ein längerer Aufenthalt an einem sonnigen Tag im geschlossenen Auto erhöht eindeutig das Risiko einer Überhitzung (Verbrausen) und wäre außerdem eine unnötige Quälerei. Also den Ableger zügig ins Auto laden und ab zum neuen Standort.

Schritt 7: Abladen am neuen Standort

Du bist mit deinem Ableger wohlbehalten am neuen Standort eingetroffen? Prima, dann kannst du den Packriemen lösen und deinen Bienen die Freiheit wiedergeben indem du das Flugloch wieder öffnest. Doch Vorsicht! Da der Ableger naturgemäß im Vergleich zu einem ganzen Volk noch recht wenig Power hat sich zu verteidigen, ist er recht anfällig für Räuberei durch andere Völker. Du kannst deinem Ableger bei der Verteidigung aber durch zwei Maßnahmen unter die Flügel greifen

  • 1 Größe des Fluglochs
  • 2 Platzierung des Fluglochs

Das Flugloch sollte so klein wie möglich sein, damit es leicht zu verteidigen ist.  2 cm reichen völlig aus. Die Bienen passen noch gut hindurch und fremde Eindringlinge können sich nicht an den Wächterbienen vorbei schleichen.

Das Flugloch sollte direkt am Ableger platziert sein. Also nicht etwa in der Mitte der Zarge, sondern an dem Rand, an dem sich auch der Ableger befindet. Damit befinden sich 2 Waben und damit jede Menge Bienen zwischen dem Flugloch und der Futterwabe.

Größer muss das Flugloch am Anfang nicht sein.

Hast du das Flugloch geöffnet bist du fürs Erste fertig. Nach ein paar Augenblicken werden die ersten Bienen aus dem Flugloch krabbeln und mit der Erkundung der neuen Umgebung beginnen.

Und nun?

Den Ableger kannst du erst einmal 4 Wochen in Ruhe stehenlassen. In dieser Zeit ziehen die Bienen sich aus der jüngsten Brut eine neue Königin heran. Wenn diese nach 14 Tagen geschlüpft ist, bricht sie zu ihrem Hochzeitsflug auf und wird von mehreren Drohnen begattet. Läuft alles glatt, dann kehrt sie nach einigen Tagen zurück und beginnt mit der Eiablage.

Wie es dann weitergeht kannst du in meinem zweiten Teil zur Ablegerbildung nachlesen.

Natürlich gibt es noch viele andere Möglichkeiten, wie man einen Ableger erstellen kann. Ich habe hier aufgeführt, wie ich es in diesem Jahr gemacht habe. Ausgedacht habe ich mir das Verfahren natürlich nicht selber, sondern habe auf Empfehlung von erfahrenen Imker Kollegen gehandelt. Falls dir noch irgendetwas an dem Prozedere unklar sein sollte, kannst du dir auch auf youtube ein Video dazu von der Bienen Expertin Pia Aumeier anschauen. Kann ich nur jedem empfehlen.

Wie erstellst du deine Ableger? Hast du auch schon mal Ableger mit 3 Waben erstellt? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar dazu.  

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